Peter Rühmkorf: Der Glücksprophet

Nachgelesen: Peter Rühmkorf

Am Wohnhaus Tarpenbekstrasse 82 im Hamburger Stadtteil Eppendorf findet sich eine kleine Sandsteintafel. Sie erinnert daran, dass in diesem Eckhaus Wolfgang Borchert geboren wurde. In Basel, nach einem kurzen Leben, das nur 26 Jahre währte, ist er 1947 gestorben. Sein Ruhm, der ihn zu einem der bekanntesten Autoren im Nachkriegsdeutschland werden ließ, begann erst nach seinem Tod. Nicht geringen Anteil daran hatte sein erster und womöglich würdigster Biograph: 1961 erschien in der Reihe der Rowohlt Biographien der Band über Borchert. Sein Biograph war der Lyriker Peter Rühmkorf. Beide verband so viel. Die Stadt Hamburg, das Bewusstsein, der Realität nur mit Ironie begegnen zu können, das clowneske Wesen und vor allem die Sprachbeherrschung. Doch während Borchert gerne Stakkato schrieb, war Peter Rühmkorf ein Sprachakrobat.

Jüngst erlebt Peter Rühmkorf durch die sukzessive Herausgabe seiner Werke ein wahres Comeback. Sein umfangreicher Nachlass liegt im Literaturarchiv in Marbach und wird dort aufwendig editiert. So erscheinen auch nach seinem Tod noch Texte, die überraschen, aufschrecken oder auch nur schmunzeln lassen. Vor zehn Jahren, im Juni 2008 ist einer der größten deutschen Lyriker im zwanzigsten Jahrhundert in Roseburg, im Kreis Herzogtum Lauenburg gestorben.

Kritisch sah er zuletzt auf die technische Welt, die das Dichterische, wenn nicht zu erdrücken, so wenigstens zu marginalisieren droht. „Lyrik ist eine ökologische Nische“, hat Rühmkorf sich in einem seiner letzten Interviews mit der ZEIT  geäußert. Und machte sich doch gleich den passenden Reim darauf:

„Gedichte, nicht zu kompliziert, damit man nicht völlig den Anschluß verliert.“

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Martin Lätzel
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