2026So13sep(sep 13)00:00Sa03okt(okt 3)00:00Das ist doch kein Nolde, oder?Wer regelmäßig am Strand entlanggeht, kennt diesen besonderen Blick: nicht unbedingt hinaus aufs Meer in die Ferne, sondern hinunter auf den Strandboden. RubrikKunst VeranstaltungsartAusstellung Diese Veranstaltung ist …digital, kostenlos, zum mitmachen RegionFlensburg / Nordfriesland / Schleswig-Flensburg

Zeit

13. September 2026 00:00 - 3. Oktober 2026 00:00(GMT+02:00)

Veranstaltungsort

Wunderkammer auf 5m² Ehem. W.D.R. Flaggenhäuschen Am Binnenhafen 25938 Wyk/Föhr Kontakt Andreas Petzold 0151 750 89 281 www.kunsteins.de/5m

Am Binnenhafen, Wyk 25938, Deutschland, Wyk, Deutschland, Wyk, Deutschland, Wyk, Deutschland, Wyk, Deutschland, Wyk, Deutschland, Wyk, Deutschland, Wyk, Deutschland, Wyk, Deutschland, Wyk, Deutschland, Wyk, Deutschland

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Details

Noch vor wenigen Jahren wurde Emil Nolde als einer der bedeutendsten deutschen Expressionisten gefeiert. Seine Landschaften, Blumenbilder und religiösen Motive gehören bis heute zum kollektiven Bildgedächtnis. Kalender, Postkarten und Kunstbücher haben seine Bildwelt millionenfach verbreitet. Nolde galt als Künstler, dessen Farben und Formen unmittelbar berühren – und als Maler, den man bewunderte, auch wenn der Versuch, „wie Nolde“ zu malen, meist scheiterte. Auch bei mir, denn Noldes expressionistischer Ansatz ist nicht meiner. Aber das ist künstlerische Freiheit.
Das Bild hat allerdings Risse bekommen.
Neue Forschungen haben gezeigt, dass Nolde keineswegs der Künstler des inneren Widerstands gegen den Nationalsozialismus war, als den man ihn nach 1945 lange dargestellt hatte. Im Gegenteil: Er war überzeugter Antisemit, verehrte Hitler und hoffte trotz seiner Diffamierung als „entarteter“ Künstler auf die Anerkennung des nationalsozialistischen Regimes. Auch das nach 1945 entstandene Bild vom verfemten, vom Regime unterdrückten Künstler erweist sich in wesentlichen Teilen als Selbstinszenierung.
Diese Erkenntnis verändert unseren Blick auf sein Werk. Aber wie weit?
Darf man ein Bild von Emil Nolde noch schön finden? Darf es einen berühren, obwohl man weiß, welche politischen und menschlichen Überzeugungen sein Schöpfer hatte? Kann man ein Kunstwerk von seinem Urheber trennen – oder muss man es sogar, um das Werk überhaupt noch betrachten zu können? Die Versuchung ist groß, die Sache möglichst einfach zu machen: guter Künstler – gute Kunst. Oder umgekehrt: schlechter Mensch – schlechte Kunst. Beides funktioniert nicht. Denn Kunstgeschichte ist keine Geschichte moralisch makelloser Menschen. Künstler können Großartiges schaffen und zugleich Überzeugungen vertreten, die uns heute oder auch schon zu ihrer Zeit erschrecken. Das macht die Kunst nicht automatisch wertlos. Aber es verändert die Bedingungen, unter denen wir sie betrachten.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Herausforderung: nicht zu verdrängen, aber auch nicht vorschnell zu tilgen. Nicht Nolde zum Helden zu machen – aber seine Bilder auch nicht einfach aus der Kunstgeschichte zu entfernen. Eine „besenreine“ Kunstgeschichte wäre eine Illusion. Kunst entsteht durch Menschen, und Menschen sind widersprüchlich. Vielleicht müssen wir deshalb lernen, beides gleichzeitig auszuhalten: denn das Bild kann großartig sein. Der Mensch dahinter kann erschreckend sein. Und beides ist wahr. Müssen wir deshalb das Bild meiden?
„Das ist doch kein Nolde!“ beginnt genau an diesem Widerspruch. Und dieser Widerspruch wird bleiben und uns immer wieder zu Diskussionen, Auseinandersetzungen und Erkenntnissen bringen. Denn das Werk ist vom Künstler nicht zu trennen und die klassische Frage in diesem Kontext heißt: Kann und darf ich ein Werk unabhängig von seinem Schöpfer betrachten? Oder anders: Muss ich ein Bild anders sehen, wenn ich weiß, wer es gemalt hat? Das ist die Nolde-Frage – aber eben nicht nur bei Nolde. Die Fragestellung betrifft daher grundsätzlich unser Verhältnis zu Kunst. Ein Bild eines Bildes in unserem Kopf verschwindet ja nicht sofort, nur weil wir etwas Unangenehmes oder Verachtendes über seinen Urheber erfahren. Denn unser Sehen wird immer von unserem vergangenen und zukünftigen Wissen beeinflusst. Und wer bestimmt, was wir sehen? Und was sehen wir eigentlich, wenn wir ein Bild sehen? Das Werk? Den Künstler? Oder das Bild, das wir uns von dem Künstler gemacht haben? Vielleicht ist „Nolde“ längst mehr als ein Name. Vielleicht ist „Nolde“ eine Vorstellung in unserem Kopf. Und genau dort beginnt diese Fragestellung oder die Erkenntnis.
Die Wunderkammer 5m², ehem. W.D.R. – Flaggenhäuschen – , Am Binnenhafen 2, 25938 Wyk auf Föhr, stellt diese Frage vom 13.09. bis 03.10.2026, 24 Stunden, kostenlos mit „Das ist doch kein Nolde!“

Öffnungszeiten

24 Stunden

Bildnachweis

Atelier KUNSTEINS